Vor bald zwei Jahren hat unsere Initiative darauf hingewiesen, welche Folgen es haben kann, der documenta einen „Code of Conduct“ aufzuerlegen. Zwar konnte verhindert werden, dass ein solcher Kodex die kuratorische Arbeit und die künstlerische Leitung direkt bindet – nicht jedoch die Beschäftigten der documenta und Fridericianum gGmbH.
Wie nun durch eine Recherche des Magazins Monopol bekannt wurde, spielte genau dieser „Code of Conduct“ offenbar eine Rolle bei der Absage einer geplanten Ausstellung im Kasseler Fridericianum. Der Fall wirft bundesweit Fragen nach dem Klima auf, in dem Kunstinstitutionen derzeit arbeiten.

Heute hat uns die documenta eine Stellungnahme übermittelt, die wir hier transparent wiedergeben möchten. Darin heißt es:
„Im Austausch mit der Fondazione Merz hat sich ergeben, dass sich die Rahmenbedingungen für die geplante Ausstellung mit Arbeiten von Marisa Merz nicht vollständig gedeckt haben. Wir respektieren die Entscheidung der Fondazione Merz, die Ausstellung nicht weiterzuverfolgen.
Künstlerinnen, die mit uns zusammenarbeiten, wird kein Code of Conduct vorgelegt. […]
Der Code of Conduct gilt für die Mitarbeitenden der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, nicht jedoch für die Künstlerische Leitung und das künstlerische Kuratorinnenteam. Die Kunstfreiheit gilt uneingeschränkt für die kuratorische Arbeit.“ (Andreas Hoffmann, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum gGmbH)
Wir nehmen diese Aussage zur Kenntnis. Zugleich zeigt der Vorgang – ob direkt ursächlich oder strukturell wirksam –, wie sehr der Code of Conduct inzwischen als Rahmenbedingung wahrgenommen wird, auch von internationalen Partnern. Schon die Möglichkeit, dass ein Regelwerk außerhalb des geltenden Rechts als Maßstab wirken könnte, genügt, um Verunsicherung zu erzeugen. Genau vor diesem Klima haben wir von #standwithdocumenta seit 2023 gewarnt.
Für uns bleibt daher zentral:
Grenzen für die Kunst dürfen in einer demokratischen Gesellschaft ausschließlich durch geltendes Recht gesetzt werden – insbesondere durch das Grundgesetz, das die Freiheit der Kunst schützt.
Zusätzliche Kodizes mit potenziell interpretativen oder politisch sensiblen Formulierungen bergen die Gefahr, dass Institutionen und Partner vorsorglich zurückschrecken. Der aktuelle Fall macht sichtbar, wie fragil die Situation bereits ist.
Mehr dazu im folgenden Link. Artikel im Monopol-Magazin
Kein gutes Klima für die Kunstfreiheit. Leider.